Auf
Lyrikkritik verfasste Florian Birnmeyer eine Rezension zu zwei im Jahr 2024
erschienenen Gedichtbänden, darunter ist "Atemopale" des
Hanns-Meinke-Preisträgers Patrick Schild:
„Atemopale“ von Patrick Schild
Atemopale
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Vorzugsausgabe Patrick Schild: Atemopale |
Ein weiterer
interessanter Gedichtband eines kleineren Verlags stammt von dem noch jüngeren
Autor Patrick Schild. Für sein Debüt Atemopale erhielt der 29-jährige
Lyriker den Klopstockpreis für junge Lyrik und den 6. Hanns-Meinke-Preis für
junge Lyrik. Der aus der Eifel stammende und bei Aachen lebende Autor
veröffentlichte den Band in der Reihe Lyrik Edition NEUN des Verlags der
9 Reiche.
Wie in
dieser Reihe üblich, gliedert sich Atemopale in drei Zyklen mit jeweils
neun Gedichten: Narbenkartographie, Ruinenengel und Atemopale.
Die Linolschnitte, die den Band illustrieren, stammen von dem Dresdner Künstler
Steffen Büchner.
Der Titel Atemopale
klingt anziehend und zugleich geheimnisvoll. Die Verbindung vom existentiellen
„Atem“ mit der Welt der Edelsteine und Minerale lässt dabei Raum für
Interpretationen.
Schilds Band
beginnt im ersten Kapitel mit seinen jüngsten Gedichten, durchweg kleingeschriebenen
Texten, in denen er mit Sprache, Form und grafischer Gestaltung, zum Beispiel
mit eckigen Klammern oder Gedankenstrichen, experimentiert und dabei eine
vielschichtige Innenschau des sprechenden Ichs zu erzeugen vermag.
ein gewebe
aus luft
ein mandala
ein entwurf aus wenigen strichen
wie die bewegten u. noch grünen flanken der hügel —
als wir —zornige kinder —dem leben anhafteten …
(aus: [anhaften])
Einige
Gedichte sind im Blocksatz gestaltet, erinnern an konkrete Poesie und
verstärken den visuellen Eindruck:
was
suche ich eigentlich? :
blickfang
blickfang blickfang
blickfang blickfang blickfang
blickfang blickfang blickfang
blickfang blickfang blickfang
blickfang mich blickfang
blickfang blickfang blickfang
(aus: [hab dich, optisch, haptisch])
Im zweiten
Zyklus Ruinenengel, der ältere Gedichte enthält, kehrt Schild zur
traditionellen. Groß- und Kleinschreibung zurück und seine Gedichte wirken
insgesamt autobiografischer und weltgesättigter, weniger von der Form getrieben.
Dabei verwebt er ungewöhnliche Metaphern mit schmerzhaften Erfahrungen, wie der
Krankheit des Vaters. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Farbe Rot, zum
Beispiel in Form der Rose, die auch auf dem Cover aufgegriffen wird. Im zweiten
Zyklus wird der trennende Gedankenstrich durch einen Punkt ersetzt.
Die Rose ⋅ die
das Licht mit dem Gehäuse
ihrer Uhr einfasst.
Später der langsame
Lidschlag der Sterne über
der mit Krach
gepflasterten Stadt.
Ich wünsche mir
das dunkle Gold des Verstummens
im Mohn
einer Freundschaft.
(aus:
Freundschaft)
Je weiter
der Band fortschreitet, desto weniger experimentell wird die Dichtung. Der
dritte Zyklus Atemopale, der dem Debütband seinen Titel verleiht, enthält eine
Sammlung verschiedener Gedichte, die aus der frühesten Schaffensperiode stammt.
Die darin versammelten Gedichte vereinen sowohl biographische Elemente aus dem
zweiten Zyklus (Vater, Großvater) als auch die bereits bekannten Bilder (Vogel,
Rose, Mohn, Krähe).
Zuweilen mag
die Vielfalt der verwendeten sprachlichen Mittel als uneinheitlich empfunden
werden, doch gerade darin liegt die Stärke des Bandes – und der gesamten Lyrik
Edition NEUN, die Raum für mutige Debüts bietet.
Florian
Birnmeyer
Link zur Rezension:
Lyrikkritik
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